Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

 Konzept "Heiraten in Dresden" entwickeln - Standesamt stärken, Angebote und Kooperationen erweitern, Dresden als Hochzeitsstadt deutschlandweit profilieren.
(eingereicht am 15.02.2013)

 Beschlussvorschlag:

Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, ein Konzept „Heiraten in Dresden“ zu initiieren, um Dresden zu einer deutschlandweit bedeutenden Hochzeitsstadt zu entwickeln. Dabei sind die verwaltungstechnischen, örtlichen und zeitlichen Möglichkeiten für standesamtliche Eheschließungen in Dresden zu verbessern und gemeinsam mit der Dresden Marketing GmbH, Branchenverbänden und interessierten Akteuren aus der Privatwirtschaft geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Dresden im touristischen Nischenmarkt „Hochzeiten“ wirkungsvoll zu positionieren.Dazu wird die Oberbürgermeisterin beauftragt,

1. weitere attraktive Standorte für Trauungen in Dresden zu erschließen und in das Angebot des Standesamtes aufzunehmen, die Anzahl der möglichen Termine in den bereits vorhandenen Standorten zu erhöhen sowie zu prüfen, inwieweit das Angebot standesamtlicher Eheschließungen an Wochenenden erweitert und auf Feiertage ausgedehnt werden kann;

2. sich gegenüber dem Freistaat Sachsen und der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH dafür einzusetzen und entsprechende Vereinbarungen zu treffen, dass interessante Landeseinrichtungen, wie zum Beispiel der Zwinger, Schloss Pillnitz, das Residenzschloss und das Palais im Großen Garten, für standesamtliche Eheschließungen geöffnet werden;

3. dafür zu sorgen, dass das Standesamt über die notwendigen personellen, finanziellen und organisatorischen Mittel sowie angemessene räumliche Möglichkeiten verfügt;

4. das detaillierte Konzept sowie die für die Umsetzung notwendigen verwaltungsseitigen Voraussetzungen dem Stadtrat bis zum 31.12.2013 vorzulegen und dabei insbesondere auch über die Ergebnisse der Bemühungen um neue Örtlichkeiten für Trauungen, neue Partnerschaften und geplante Vermarktungsaktivitäten zu informieren.

 Begründung:

Man heiratet wieder. Auch immer mehr Dresdner trauen sich. Seit 2005 steigt die Zahl der Eheschließungen in Dresden an. Waren es im Jahr 2005 noch 1.674 Eheschließungen, kamen 2010 bereits 2.029 Eheschließungen zusammen (Zahlen statistisches Landesamt Sachsen). 2011 lag die Zahl der Eheschließungen in Dresden bei 1.973. Diese sehr erfreulichen Zahlen unterstreichen die außerordentlich positive Entwicklung in unserer Stadt, was Zukunftsperspektiven für junge Leute betrifft. Das Bild wird durch eine deutschlandweit herausragende Geburtenzahl, die vielen Studenten und den enormen Zuzug von Familien mit Kindern abgerundet. Kurz: Dresden ist attraktiv für junge Menschen.

Mit dem Standesamt in der Villa Weigang in der Goetheallee, dem Landhaus, Schloss Albrechtsberg, Schloss Schönfeld, der Trauung auf einem Elbdampfer, den neuen Möglichkeiten im Kulturrathaus und im Stadion der SG Dynamo Dresden bietet die sächsische Landeshauptstadt sieben Standorte zur Eheschließung an. Dennoch ist das Standesamt, zumindest was attraktive Termine betrifft, an der Kapazitätsgrenze angekommen. Oft müssen Eheschließungen im Akkord abgehalten werden – häufig an der Belastungsgrenze der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und nicht immer zur Freude der Hochzeitsgesellschaften. Das hängt sowohl mit dem wieder stärkeren Wunsch der Dresdner, sich zu trauen, zusammen, aber auch mit dem Umstand, dass die standesamtliche Heirat in Ostdeutschland aufgrund der geringeren religiösen Bindungen einen höheren Stellenwert besitzt und mehr als in anderen Gegenden unmittelbar mit den Hochzeitsfeierlichkeiten verbunden wird. Auch der Umstand, dass gebürtige, heute aber woanders lebende Dresdner gern in ihrer Heimatstadt heiraten,
zählt.
Nach Medienberichten mussten beispielsweise im Jahr 2010 200 Paare in das Dresdner Umland ausweichen, da in Dresden nicht alle Trauungen an beliebten Tagen durchgeführt werden konnten. Dabei ist vor allem der Standort Goetheallee in der Zeit von Mai bis September beinahe ausgebucht. Besonders „in der Heiratssaison“, an Freitagen und Sonnabenden sind mittelfristig keine Termine zu bekommen. Eine Erweiterung der Terminangebote ist mit den aktuellen, teilweise renovierungsbedürftigen Räumlichkeiten und der derzeitigen personellen Ausstattung dabei kaum möglich. Auch auf Schloss Albrechtsberg sind trotz hoher Zusatzkosten für die Eheschließenden bereits Monate im Voraus die Termine ausgebucht. Und das obwohl bereits 2011 die Anzahl der verfügbaren Termine im Vergleich zu 2010 von vier auf 10 pro Monat erhöht worden ist. Da die beschriebene Situation bei den Heiratswilligen bekannt ist, versuchen es viele erst gar nicht in einem Dresdner Objekt, sondern weichen von vornherein auf Standesämter außerhalb der Stadt aus.

Dresden verliert so Jahr für Jahr Eheschließungen an andere Kommunen. Aber es geht nicht nur um den Akt der Trauung. Denn jede Eheschließung ist auch eine Werbung für die Stadt und ein kleiner Wirtschaftsfaktor. Zu den meisten Trauungen gehören Geschenke, Feiern und Übernachtungen, Bilder und Blumen, Kleider und Frisuren, Kultur. Deshalb ist es schade, wenn die Stadt den Bedarf nicht befriedigen kann. Zumal Dresden als eine der schönsten Großstädte Deutschlands das Potential dazu hat, auch Menschen aus anderen Orten und Gegenden den besten Rahmen für den schönsten Tag in ihrem Leben zu bieten. Die sächsische Landeshauptstadt bietet, wenn sie jetzt in Angebote und Strukturen investiert, alles, um zu einer führenden Destination für Hochzeiten in Deutschland zu werden und sie kann diesen stark wachsenden Nischenmarkt emotional und wirtschaftlich für sich erschließen.
 

Um dem Bedarf in Dresden selbst gerecht zu werden und das Potential als deutschlandweit beliebte Hochzeitsstadt zu heben, muss die Stadt Dresden den Rahmen verbessern und zuerst die vorhandenen Strukturen im Standesamt ertüchtigen, aufwerten und stärken und dann die örtlichen und zeitlichen Kapazitäten erweitern sowie maßgeschneiderte Angebote für Heiratswillige erstellen und bekanntmachen. Dazu müssen neue Standorte für standesamtliche Eheschließungen in der Stadt erschlossen werden, denn es ist kaum jemandem zu erklären, warum man im Zwinger oder im Schloss Pillnitz nicht heiraten kann. Mit neuen Orten, wie eben Schloss Pillnitz, dem Wallpavillon im Zwinger, dem Residenzschloss, dem Palais im Großen Garten, perspektivisch dem Japanischen Palais oder dem Blockhaus, oder auch unter freiem Himmel auf den Elbwiesen, würde die Anziehungskraft Dresdens für Hochzeitstouristen weiter steigen. Dazu gehört natürlich, dass sich solche Angebote dann auch in den städtischen Vermarktungsaktivitäten professionell wiederfinden und Wege gefunden werden, Heiratende an den Kosten, die der Stadt durch zusätzliche Orte, Zeiten oder Serviceangebote möglicherweise entstehen, angemessen zu beteiligen.

Um all das umzusetzen, muss die Stadtverwaltung gemeinsam mit der DMG sowie Akteuren
und Fachleuten aus Branchenverbänden, interessierten Unternehmen und unter Einbeziehung der verantwortlichen Stellen beim Freistaat Sachsen, insbesondere der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten gGmbH als Bewirtschafter und Vermarkter interessanter Landesimmobilien, entsprechende Angebote schaffen und ein Konzept „Heiraten in Dresden“ erarbeiten. Der Freistaat hat verschiedentlich bereits erklärt, dass er sich eine Nutzung ausgewählter Objekte für Trauungen vorstellen kann.