Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Sanierung des Kulturpalastes - Wandbild "Der Weg der roten Fahne" in historischen Kontext
setzen und Opfer der SED-Diktatur aus dem Kreis der Kulturschaffenden würdigen
(eingereicht am 12.09.2013)

Beschlussvorschlag:
Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, im Zuge der Sanierung des Kulturpalastes und des
unter Denkmalschutz stehenden Wandbildes „Der Weg der roten Fahne“ in Zusammenarbeit
mit dem Verein „Erkenntnis durch Erinnern“ und der Gedenkstätte Bautzner Straße an der
Westseite des Kulturpalastes eine Erinnerungs- und Informationstafel bzw. -stehle mit räumlichen
Bezug zum Wandbild anzubringen bzw. aufzustellen, welche die Botschaft des Wandbildes
in den historischen Kontext setzt, erläutert und einordnet und zugleich an die Opfer
der SED-Diktatur, insbesondere aus dem Kreis der Kunst- und Kulturschaffenden, erinnert.

Begründung:
Das Wandbild „Der Weg der roten Fahne“ befindet sich am Kulturpalast. Angebracht wurde
es mit der Eröffnung des Kulturpalastes im Jahr 1969 an der Westseite des Gebäudes
(Schloßstraße). Das monumentale Mosaik entstand an der Dresdner Hochschule für Bildende
Künste und wurde der Überlieferung nach vom damaligen Staatsratsvorsitzenden der
DDR, Walter Ulbricht, persönlich in Auftrag gegeben. Als Ulbricht die Skizzen des Wandbildes
beim Dresdner Hochschulprofessor Gerhard Bondzin sah, soll er so begeistert von der
sozialistischen Interpretation der stadtgeschichtlichen Entwicklung Dresdens gewesen sein,
dass er verfügte, das Kunstwerk für den Kulturpalast zu erschaffen.
Das Wandbild zeigt historische Stationen in der Entwicklung Dresdens, allerdings politisch
umgedeutet im Sinne einer sozialistischen Arbeiterklasse, die in der Interpretation der
Schöpfer und Initiatoren des Bildes die Veränderung Dresdens vom Fischerdorf bis zur sozialistischen
Großstadt erfolgreich herbeigeführt habe. Damit fällt das Werk in die Stilrichtung
des „Sozialistischen Realismus“, einer ideologisch begründeten Kunstform zur Darstellung
von Themen aus dem alltäglichen Arbeitsleben. Im Jahr 2002 wurde das Wandbild „Der Weg
der roten Fahne“ als Kulturdenkmal ausgewiesen und gilt damit als Zeugnis der DDRVergangenheit
in der Stadt Dresden.
Inzwischen weist das Wandbild Schäden auf. Es soll deshalb im Zuge der Kulturpalastsanierung
restauriert und saniert werden. Im Rahmen der Sanierung des Kulturpalastes wurden
dafür Mittel in Höhe von 170.000 Euro eingestellt. Das Wandbild wird also auch in Zukunft an
der Westseite des Kulturpalastes zur Schau gestellt sein.
Das Wandbild befindet sich an einer sensiblen Stelle mitten im historischen Stadtzentrum.
Vielen Betrachtern stellen sich angesichts des Motives Fragen, die bislang unbeantwortet
bleiben. Bedenkt man zudem, dass das Wandbild auch von Künstlern erstellt wurde, die in
enger Verbindung zum Staatssicherheitsdienst der DDR standen und die ihre exponierte,
systemnahe Position auch dazu ausgenutzt haben, andere Dresdner Kulturschaffende zu
diskreditieren, scheint eine unkommentierte Zurschaustellung des Wandbildes nicht zeitgemäß.
Denn in seiner Symbolik und mit seiner Entstehungsgeschichte steht das Wandbild auch für
das Meinungsmonopol des DDR-Staates im künstlerischen Bereich und damit im Gegensatz
zum Schicksal vieler Kulturschaffender Dresdens, die sich nicht frei von staatlicher Zensur
ausdrücken durften. Diese Künstler standen oft unter Beobachtung von Stasi und Parteiapparat.
Sie wurden in ihrer künstlerischen Arbeit behindert, beispielsweise auch dadurch, dass
der Verkauf ihrer Kunstwerke aufgrund der Berichte hochrangiger Vertreter der Hochschule
für Bildende Künste an die Dresdner Staatssicherheitsbehörde nicht zugelassen wurde. Genau
diese Dimension der Täter in der SED-Diktatur trägt das Wandbild „Der Weg der roten
Fahne“ in sich.
Auch das ist ein Teil der Geschichte Dresdens, mit dem sich die Stadt immer wieder auseinandersetzen
muss. Das Wandbild wird als normaler und selbstverständlicher Teil der Außenfassade
des Kulturpalastes in der Mitte der Stadt hingenommen; Wissen um die Hintergründe
und die Entstehung ist kaum bekannt. Aus diesem Grund soll in räumlicher Nähe
zum Wandbild eine Erinnerungstafel, -stehle o.ä. errichtet werden, mittels dessen das Motiv
erläutert, an die Entstehungsgeschichte erinnert und an die aus dem Kreis der Kunst- und
Kulturschaffenden Opfer der SED-Diktatur gewürdigt werden.
Die Finanzierung der Gestaltung und der Anbringung einer Erinnerungstafel o.ä. sollte aus
den für die Sanierung des Wandbildes eingestellten Mitteln möglich sein. Desweiteren könnten
Mittel aus dem Fonds nach § 5 des Mauergrundstücksgesetzes beantragt werden. Die
Entscheidung über Art, Inhalt und Gestaltung sollte im Rahmen eines Gestaltungs- oder
Künstlerwettbewerbs in Zusammenarbeit mit dem Verein „Erkenntnis durch Erinnern“ und
der Gedenkstätte Bautzner Straße erfolgen.