Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Debatte über eine Bewerbung Dresdens als Europäische Kulturhauptstadt 2025 aufnehmen -
Einleitung eines Bewerbungsverfahrens prüfen


Beschlussvorschlag:
Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, die Debatte um eine Bewerbung Dresdens als Europäische
Kulturhauptstadt im Jahr 2025 aufzunehmen und die Frage einer Kandidatur der sächsischen Landeshauptstadt als gemeinsame Initiative von Stadt und Freistaat mit dem Ziel eines breiten gesellschaftlichen Konsens unter Einbeziehung geeigneter Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik aus Stadt, Land, Bund und Europäischer Union zu erörtern und die Einleitung eines Bewerbungsverfahrens sowie aller finanziellen, konzeptionellen und strukturellen Rahmenbedingungen zu prüfen. Die Ergebnisse der Erörterungen und Prüfungen sind rechtzeitig vor dem Start eines möglichen ordentlichen Bewerbungsverfahrens in der nächsten Legislaturperiode des Stadtrates vorzustellen.

Begründung:
Auf einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kulturhauptstadt Europa“ am 12. Februar 2014 haben Vertreter des Internationalen Forums für Kultur und Wirtschaft „Tiberius“ eine Debatte über die mögliche Bewerbung Dresdens als Europäische Kulturhauptstadt im Jahr 2025 geführt. Damit hat dieses renommierte Forum eine Diskussion in den Blickwinkel der öffentlichen Aufmerksamkeit gebracht, die auch an anderen Stellen, auch in der FDP, mit wachsendem Interesse geführt wird und an deren Ende die faszinierende Idee einer zunächst innerdeutschen und später europäischen Bewerbung Dresdens als Kulturhauptstadt Europas
stehen könnte.

Seit der EU-Osterweiterung vor 10 Jahren wird in jedem Jahr zwei europäischen Städten der Titel Europäische Kulturhauptstadt verliehen. Dabei werden die EU-Mitgliedsstaaten nach einem festen Rhythmus bedacht. Im Jahr 2025 darf sich neben einer Stadt aus Slowenien erstmals nach 2010 wieder eine deutsche Stadt mit dem Titel Kulturhauptstadt schmücken. Dafür muss bis 2019 die Bewerbung erfolgen. Bereits 2010 hatte sich Görlitz mit der Unterstützung des Freistaates als Europäische Kulturhauptstadt beworben, unterlag aber der späteren Kulturhauptstadt Essen.

Eine Bewerbung kann nur erfolgreich sein, wenn es einen breiten gesellschaftlichen Konsens gibt und Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik in Dresden und im Freistaat Sachsen gemeinsam mit Unterstützern aus dem Bund und der EU an einem Strang ziehen. Aus diesem Grund gilt es, frühzeitig zu diskutieren und die notwendigen Anforderungen sowie Chancen und Risiken einer Bewerbung zu ermitteln und zu erörtern. Mit diesem nunmehr auch öffentlich zu führenden Diskurs muss in den nächsten Monaten begonnen werden, um dann in der kommenden Legislaturperiode des Stadtrates und des Landtages rechtzeitig eine Entscheidung über die Aufnahme eines ordentlichen Bewerbungsverfahrens zu treffen.

Die durch das Forum Tiberius in die Öffentlichkeit gebrachte Debatte zur Bewerbung von Dresden zur Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025 überzeugt hinsichtlich ihrer Grundidee. Anders als andere manchmal geäußerte Visionen scheint eine solche Bewerbung realistisch, chancenreich und konsequent. Dresden ist mit seinen Sehenswürdigkeiten und Kunstschätzen schon lange eine Kunst- und Kulturstadt von europäischem Rang. Eine Kandidatur wäre Lohn einer wahrscheinlich weltweit einmaligen gesamtgesellschaftlichen Aufbauleistung seit der deutschen Wiedervereinigung und die logische Konsequenz aus den enormen Investitionen, die der Freistaat Sachsen und die Stadt Dresden mit Unterstützung von Bund, EU und privatem Engagement in der jüngeren Vergangenheit, in der Gegenwart und in naher Zukunft in den Wiederaufbau, den Ausbau, die Pflege und die Verbesserung der Qualität und der Vielfalt der kulturellen Infrastruktur sowie der kulturellen Angebote leisten, geleistet haben und leisten werden.

Eine Bewerbung böte aber auch die Chance, den Markenkern Dresdens als Kunst- und Kulturstadt von Rang international zu festigen und auszubauen und hätte damit ein bedeutendes Potential für die  wirtschaftliche und touristische Entwicklung sowie das Renommee der Stadt. Aber eine Kandidatur würde Dresden auch in die Pflicht nehmen, neben der Pflege von Traditionellem und der Fokussierung auf die eigene Kulturgeschichte den dringend benötigten Raum für Modernes und Neues zu schaffen. Dresden als Europäische Kulturhauptstadt käme einer Frischekur gleich und wäre ein Aufruf an die Kulturschaffenden und die Jugend nicht nur in der Region, etwas Neues in Dresden mit europäischer Strahlkraft zu schaffen.

Nebenbei: Das Jahr 2025 scheint nahezu ideal. Es ist nicht nur das 35. Jahr der Deutschen Einheit und der Wiedergründung des Freistaates Sachsen. Im Jahr 2025 kann die Stadt auch auf einige Jubiläen bedeutender Söhne und Töchter der Stadt Dresden zurückblicken. Sei dies das Geburtsdatum von Louis de Silvestre im Jahr 1675, der 30 Jahre lang als Hofbildmaler unter August dem Starken und seinem Nachfolger tätig war, oder die runden Jubiläen von Musikern wie die Koloratursopranistin Erna Berger, die 1900 in Cossebaude geboren wurde, und der Pianistin Mary Krebs, die im selben Jahr starb. 2025 wird sich auch der Todestag von Casper David Friedrich zum 185. Mal wiederholen. 2025 wird aber auch die Gret-Palucca-Tanzschule ihr 100jähriges Bestehen feiern. Selbst der Geburtstag von Heinrich von Brühl jährt sich 2025 zum 325. Mal, der ganz maßgeblich für die Entwicklung der Innenstadt Dresdens  verantwortlich ist. Aber das wirklich nur nebenbei!