Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Neustädter Markt aufwerten und Erscheinungsbild verbessern - städtebauliche Konzepte umsetzen
 
  

Beschlussvorschlag:
Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, zur Aufwertung des Neustädter Marktes:  

                                                                                             

 

  1. in Gespräche mit den Eigentümern der den Neustädter Markt einfassenden Gebäude über eine umfassende Sanierung bzw. ansprechende Fassadengestaltung mit dem Ziel einer Aufwertung des Erscheinungsbildes einzutreten.
  2. einen neuen Anlauf zur Klärung zu unternehmen, unter welchen Bedingungen eine Öffnung der Rähnitzgasse zum Neustädter Markt möglich ist.
  3. den beschädigten Brunnen auf dem Neustädter Markt östlich des Eingangs der Fußgängerunterführung zu reparieren. Es ist zu prüfen, ob die notwendigen Mittel aus der Liquiditätsreserve der Landeshauptstadt bereitgestellt werden können, alternativ sind die Mittel im Doppelhaushalt 2015/2016 bereitzustellen.
  4. den Stadtrat spätestens zum 31.12.2014 ausführlich über den Sachstand der Gespräche und den Sanierungsstand zu informieren.  

 
Begründung:
Dem Neustädter Markt kommt als Bindeglied zwischen Altstadt und Neustadt eine besondere Bedeutung bei. Deshalb beschäftigen sich auch eine Vielzahl von städtischen Planungen und Leitbildern intensiv mit diesem wichtigen innerstädtischen Platz. Aktuell wird das optische Erscheinungsbild des Platzes seiner Bedeutung allerdings nicht allumfassend gerecht. Auf der einen Seite haben die Stadt und die Eigentümer der Gebäude entlang der Hauptstraße viel in die Aufwertung des Areals investiert, auf der anderen Seite aber verschlechtert sich der Zustand der den Neustädter Markt direkt einfassenden Gebäude zusehends. Hier ist ein dringender städtebaulicher Handlungsbedarf gegeben, denn Dresden darf sich diesen Zustand an einer solch prominenten innerstädtischen Lage direkt im Entrée zum Barokviertel nicht leisten. Um den Neustädter Markt wirklich aufzuwerten, die Verweilqualität zu erhöhen und ihn wieder zu einem belebten innerstädtischen Platz zu entwickeln, muss diese Bebauung aufgewertet werden.

Darüber hinaus wird seit vielen Jahren über die Wiedereröffnung der Rähnitzgasse diskutiert. So ist dieses Vorhaben nicht nur Bestandteil des 2002 beschlossenen Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (INSEK), sondern auch des Planungsleitbildes Innenstadt sowie eines Bebauungsplans aus dem Jahr 2008 (Nr. 335 Dresden-Innere Neustadt Nr. 8). Das Ziel war dabei immer die städtebauliche Reparatur durch eine ansprechende Gestaltung des Platzensembles.Ein attraktives Entrée in das Barockviertel über die Rähnitzgasse und den Kunsthausplatz sollte wieder geschaffen werden. Die Stadtreparatur sollte auf Basis des überlieferten Stadtgrundrisses erfolgen, wobei das Prinzip der Radialenordnung von Neustädter Markt und Albertplatz ausgehend als sinnvolles Leitprinzip beschlossen wurde. Daraus leiten sich die städtebauliche Reparatur der Öffnung der Rähnitzgasse und der Auftrag an die Stadtverwaltung ab. Damit würde die stadträumliche Beziehung zwischen den einzelnenTeilbereichen wiederhergestellt. Aus diesem Grund wurde vor einigen Jahren bereits die Heinrichgasse geöffnet, an dieser Stelle gelang es der Stadt gemeinsam mit einem Investor und dem Eigentümer der Plattenbauten, den Durchbruch zur Hauptstraße wiederherzustellen. Sollte das Ziel der Öffnung der Rähnitzgasse zum Neumarkt in absehbarer Zeit nicht umgesetzt werden können, dann sollte es auch ein Gesprächsziel mit dem Inhaber sein, ihn auf eine schnellstmögliche Sanierung der Fassade der Gebäude zu verpflichten.

Laut dem Planungsleitbild Innenstadt ist zudem die Öffnung der Rähnitzgasse „dringend erforderlich“, um eine Stärkung des Handelsstandortes der Innere Neustadt herbeizuführen. Gerade im Barockviertel entwickelt sich ein zweiter zentraler Geschäfts- und Handelsstandort neben der Altstadt, der ein ganz ähnliches Flair versprüht. Und schließlich würde das barocke „Altendresden“ mit der Königstraße über die Rähnitzgasse an den Neustädter Markt und über die Heinrichstraße an die Hauptstraße angebunden.

Obwohl es also bereits seit vielen Jahren Konsens ist und auch in der 2. Dresdner Debatte zur Inneren Neustadt von einer breiten Öffentlichkeit unterstützt wurde, gibt es aktuell keinen Fortschritt zu erkennen. Den letzten Versuch, sich mit dem Eigentümer der Plattenbauten an der Rähnitzgasse, der Gagfah, zu einigen, unternahm die Stadt im Jahr 2011. Genau zu dem Zeitpunkt also, als die Stadt eine Klage gegen die Gagfah wegen eines Verstoßes gegen die Sozialcharta hatte laufen lassen und 1 Mrd. Euro verlangte. Einen denkbar ungünstigeren Zeitpunkt konnte es daher für dieses Vorhaben nicht geben, um mit dem Eigentümer der Plattenbauten am Neustädter Markt in Kontakt zu treten. Mit der Beilegung dieses Rechtsstreites ist es durchaus denkbar, dass jetzt ein besserer Zeitpunkt für solche Gespräche ist, weshalb die Landeshauptstadt einen neuen Anlauf unternehmen sollte.

Zur Aufwertung des Neustädter Marktes gehört aber noch mehr. Bereits seit vielen Jahren funktioniert nur einer der beiden „Kugelbrunnen“ auf dem Neustädter Markt. So funktioniert von der Augustbrücke kommend der linke Brunnen, aber leider nicht der rechts vom Goldenen Reiter gelegene. Bereits vor dem Hochwasser 2002 war dies so. Mit Hilfe von den FlutSeite mitteln 2002 wurde der Teil des Technikraums unter dem Brunnen repariert, der durch das damalige Hochwasser beschädigt wurde. Leider blieb der Rest in seinem defekten Zustand. Brunneneinfassung, das oberirdisch gelegene Leitungssystem und das Brunnenbecken müssen noch repariert werden. Rund 450.000 Euro müssten laut dem Stadtplanungsamt noch in die Hand genommen werden, um diesen Brunnen zu restaurieren und wieder vollends funktionstüchtig zu machen. Dann wäre die Investition in den Technikraum unter dem Brunnen nicht umsonst gewesen.

Die beiden Brunnen links und rechts des Neustädter Marktes wurden 1979 von Karl-Heinz Adler und Friedrich Kracht anlässlich des 30. Jahrestages der DDR geschaffen, nachdem der Neustädter Markt nach den Kriegszerstörungen nicht seine ursprüngliche quadratische Form mit der dichten Umbauung zurückerhalten hatte. Sie sind in ihrer Gestaltung an die beiden näher am Goldenen Reiter gelegenen Nymphenbrunnen angelehnt. Bereits 1995 wurden die äußeren „Kugelbrunnen“ rekonstruiert, allerdings blieb nur einer funktionstüchtig.