Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Antrag

Vorhabenbezogener Bebauungsplan Nr. 658
Dresden-Altstadt I, „Neumarkt, Quartier VI – Jüdenhof/Frauenstraße/Neumarkt“
Hier: Änderung der Ziele des Bebauungsplanes
 

Beschlussvorschlag:

1. Der Stadtrat nimmt die Ergebnisse des Gestaltungswettbewerbs für die Bebauung der Fläche des ehemaligen Gewandhauses am Neumarkt zur Kenntnis. Der Wettbewerb wird hiermit aufgehoben.
 

2. Die Fläche des ehemaligen Gewandhauses bleibt abweichend von den Vorgaben des städtebaulich-gestalterischen Konzeptes vom 17.01.2002 dauerhaft unbebaut und wird in die Platzgestaltung des Neumarktes mit einbezogen. Punkt 3 des Beschlusses Nr. V1203-SB33-06 wird aufgehoben.
 

Begründung:

Der historische Wiederaufbau des Dresdner Neumarktes ist in seiner Dimension deutschlandweit einzigartig und eine touristische Attraktion ersten Ranges. Mit jeder weiteren historischen Fassade wird der Traum vieler Dresdnerinnen und Dresdner wahr, den alten barocken Glanz wieder zu erleben.

Die jetzt erstmals in der Öffentlichkeit präsentierten Wettbewerbsergebnisse des Realisierungswettbewerbes zur Bebauung der Fläche des ehemaligen Gewandhauses haben weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das in den Planungsvorgaben des Wettbewerbs für die Entwurfsverfasser formulierte Ziel, „ein sensibles Maß im Duktus des „Einfügens“ in die historisch hergeleiteten Reglements des barocken Städtebaus zu finden“, ist jedenfalls bei dem nunmehr zur Realisierung vorgesehen Siegerentwurf für den Betrachter nicht erkennbar.
Während die auf der verbleibenden Fläche des Quartiers VI geplanten Leitbauten die wenig attraktive Rückseite des Kulturpalastes aus Richtung Neumarkt/Frauenkirche vollständig abdecken würden, würde die geplante modernistische Fassade des Gewandhaus-Neubaus diesen Effekt wieder vollständig negieren.

Ohnehin hält die grundsätzliche Kritik an einer „Wiedererrichtung“ des 1791 abgerissenen alten Gewandhauses ungebrochen an. Kunsthistoriker und Architekten haben mehrfach die Überzeugung geäußert, dass das im Siebenjährigen Krieg beschädigte Gewandhaus nicht aufgrund des Geldmangels der Stadt, sondern tatsächlich aus stadtplanerischen Gründen nicht wieder errichtet worden sei. So hegt beispielsweise der Kunsthistoriker Thomas Liebsch (siehe Sächsische Zeitung vom 26.01.2006) den begründeten „Verdacht“, dass das Gewandhaus schon Canaletto gestört haben müsse, weil es den Neumarkt in seiner räumlichen Wirkung offenbar zu stark einschränkte. Zumindest sei so erklärbar, dass er die räumlichen Beziehungen auf der dem Gewandhaus zugewandten Seite des Platzes auf seinen Bildern vom Neumarkt künstlich vergrößerte, indem er das Gewandhaus einfach weiter nach Süden rückte. Ein Kunstgriff der in der Realität nur durch den Verzicht auf die Wiederbebauung zu erreichen wäre.

Der Stadtrat sollte deshalb die Wettbewerbsergebnisse und die öffentliche Diskussion darüber zum Anlass nehmen und die bisherigen Pläne für eine Bebauung endgültig verwerfen. Denn selbst im Kontext eines historischen Wiederaufbaus bleibt festzustellen, dass diese Fläche zwischen 1791 und der Zerstörung Dresdens im Jahre 1945 nicht bebaut war. Auch die Vorgaben des städtebaulich-gestalterischen Konzeptes stellen dabei kein Dogma dar, da die Leitlinien zur Neumarktsgestaltung ohnehin auch in der Vergangenheit schon mehrfach überarbeitet und fortgeschrieben worden sind.

Der mit dem im Ergebnis des Gestaltungswettbewerbs vorliegende Siegerentwurf zum Gewandhaus-Neubau faktisch vorgeschlagene Stilbruch darf jedenfalls unter keinen Umständen zur Ausführung gelangen.