Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Antrag

Gegenstand: Helmut-Schön-Ehrung

Beschlussvorschlag:

Am 15. September 2005 wäre der ehemalige Bundestrainer Helmut Schön 90 Jahre alt geworden. Die Landeshauptstadt Dresden nimmt dies zum Anlass und ehrt den gebürtigen Dresdner.

  1. Die Hauptallee wird im Abschnitt zwischen Lingnerplatz und Lennèstraße in Helmut-Schön-Allee umbenannt; die Umbenennung soll am 15. September 2005 in einem feierlichem Rahmen erfolgen.
     
  2. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Dresdner Verkehrsbetriebe AG zu ersuchen, die in Höhe der künftigen Helmut-Schön-Allee gelegene Haltestelle entsprechend umzubenennen.
     
  3. Die für den 15. September 2005 geplante Stadtratssitzung beginnt mit einer öffentlichen Feierstunde; als Festredner sollte eine Persönlichkeit des Deutschen Fußballsports gewonnen werden.

 

Begründung

Helmut Schön wurde am 15. September 1915 als Sohn eines Kunsthändlers in Dresden geboren. Seine Kinder- und Jugendzeit verlebte er mit den Eltern und dem Bruder in der Struvestraße. Mit 10 Jahren begann er beim Dresdner Sportverein Dresdensia Fußball zu spielen. Der Fußballplatz der Dresdensia befand sich zu dieser Zeit zwischen der Haupt- und der Herkulesallee, also in unmittelbarer Nähe des nunmehr zur Umbenennung vorgeschlagenen Abschnittes der Hauptallee. Dieser, gegenüber der ursprünglichen Fassung geänderte Beschlussvorschlag berücksichtigt die Argumente und das Votum des Ortsbeirates Altstadt im Verlauf der Beratungen zum vorliegenden Antrag.

Der damalige englische Trainer des Dresdner SC (DSC), Jimmy Hogan, entdeckte das fußballerische Talent Helmut Schöns im Jahre 1930 und holte ihn zum DSC. Bereits mit 17 Jahren durfte er hier in der ersten Mannschaft spielen und brachte es bis 1945 auf 700 Spieleinsätze und 650 Tore für die „Rotschwarzen“. In den Jahren 1940 und 1941 holte er mit dem DSC den Pokal nach Dresden und gewann 1943 und 1944 sogar den Deutschen Meistertitel. Zwischen 1937 und 1941 spielte er 17-mal für die Deutsche Fuß-ballnationalmannschaft und schoss dabei insgesamt 16 Tore.

Nach dem Krieg spielte er bei der SG Dresden-Friedrichstadt und arbeitete als Trainer in verschiedenen Mannschaften der damaligen Sowjetischen Besatzungszone. Im Jahre 1950 verließ er schließlich mit der fast kompletten Friedrichstädter Mannschaft Dresden und ging in den Westen.

Von 1953 bis 1956 war er hier zunächst Trainer der Nationalmannschaft des Saarlandes und im Anschluss daran Assistent des damaligen Bundestrainers Sepp Herberger. Am 4. November 1968 wurde er schließlich selbst Trainer der Deutschen Fußballnationalmannschaft und blieb dies bis zum 21. Juni 1978.

Zu den größten sportlichen Erfolgen seiner Trainerlaufbahn zählen die Titelgewinne bei der Weltmeisterschaft 1974 und der Europameisterschaft 1972. Bei der Fußballweltmeisterschaft 1970 setzte er mit dem 3. Platz der Deutschen Nationalelf bereits ein Achtungszeichen und bei der Europameisterschaft 1976 errang die Mannschaft unter seiner Führung den 2. Platz.
Dresden ist vor der Wiedervereinigung die bedeutendste Fußballhochburg im Osten gewesen. Auch die Erfolge des ehemaligen Bundestrainers Helmut Schön und die spektakuläre Flucht seiner Mannschaft in den Westen waren hier stets präsent. Er war eine lebende Legende und seine Geschichte wurde über Generationen weitergegeben. Wer in Dresden über Fußball sprach – und über Fußball sprach hier jeder - kam früher oder später zwangsläufig auch auf Helmut Schön.

Als Dynamo Dresden nach der Wiedervereinigung gemeinsam mit dem FC Hansa Rostock als einzige DDR-Oberligamannschaften in die erste Bundesliga aufstieg, war dies schließlich die Krönung der Dresdner Fußballträume und der „vermeintlich endgültige Triumph“ über den Dauerkontrahenten „BFC Dynamo“. Viele Dresdner Fußballtalente nutzten die nach dem Mauerfall gebotenen Chancen und wechselten zu anderen renommierten Vereinen im In- und Ausland. Zwar kennt man ihre Namen, aber die Herkunft ist häufig nicht oder nicht mehr bekannt.
Ähnlich verhält es sich mit der Trainerlegende Helmut Schön. Mit der Normalität der Wiedervereinigung droht auch diese wichtige Episode deutsch-deutscher Geschichte zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Mit der Umsetzung dieses Antrages soll die Erinnerung gewahrt bleiben und ein Dresdner geehrt werden, der in den Zeiten der Teilung auszog, um Fußballgeschichte zu schreiben und dabei stets ein Symbol der Hoffnung für eine Überwindung der Teilung blieb.