Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Antrag

Gegenstand: Errichtung der Busmannkapelle als Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden

Beschlussvorschlag:

  1. Die Landeshauptstadt Dresden unterstützt die Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden e. V. und die Bürgerstiftung Dresden sowie die Mitwirkung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens bei der gemeinsamen Errichtung und Betreibung der Busmannkapelle als Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden nach den Entwürfen des Architekturbüros Gustavs & Lungwitz.
     
  2. Die Unterstützung umfasst sowohl die organisatorische Begleitung der Planungen zur Errichtung, deren baulicher Umsetzung und die Beantragung von Fördermitteln des Bundes oder des Freistaates Sachsen als auch die fachliche Beratung bei der Erstellung der inhaltlichen Konzeption für die Betreibung der Gedenkstätte.
     
  3. Nach Maßgabe der Haushaltssituation und dem Ausschöpfen der Förderprogramme erfolgt eine angemessene finanzielle Beteiligung der Landeshauptstadt Dresden an den Kosten für die Errichtung der Kapelle.
     
  4. Die Landeshauptstadt Dresden hält sich in den Verhandlungen mit der Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden e. V. und der Bürgerstiftung als künftige Betreiber der Gedenkstätte unter Mitwirkung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens die Option offen, selbst Mitglied im Beirat für die Betreibung der Gedenkstätte (Beirat Busmannkapelle) zu werden.
     
  5. Dem Stadtrat ist bis Ende 2008 die inhaltliche Konzeption inklusive des Finanzierungskonzeptes zur Betreibung der Gedenkstätte vorzulegen. Die mögliche finanzielle Beteiligung der Stadt an Errichtung und Betreibung der Gedenkstätte muss durch separate Stadtratsbeschlüsse bestätigt werden.

 

Begründung

Die Sophienkirche wurde vor 1265 zwischen Großer und Kleiner Brüdergasse errichtet und gehörte zu dem dort ansässigen Franziskanerkloster. Nach zahlreichen baulichen Verände-rungen und zeitweiliger Nutzung als Getreidespeicher und Zeughaus wurde die Kirche 1602 schließlich als protestantische Sophienkirche geweiht und ab 1737 als „Evangelische Hofkirche“ genutzt.

Nachdem die Sophienkirche bei den Luftangriffen am 13. und 14. Februar 1945 ausgebrannt und der nördliche Turm beschädigt worden war, stürzte das Gewölbe ein Jahr später schließlich ein. Um das älteste kirchliche Baudenkmal Dresdens zu erhalten, erarbeiten Stadtverwaltung und Landesamt für Denkmalpflege in der Folge bis 1960 mehrere Konzeptionen für den Erhalt und die künftige Nutzung der Ruine.

Auf Betreiben der kommunistischen Machthaber des SED-Regimes, namentlich des Partei- und Staatschefs Walter Ulbricht, wurde die Ruine in den Jahren 1962 - 63 dann jedoch gegen den Protest namhafter Intellektueller, Architekten, Pastoren, Studenten und einfacher Bürger der Stadt abgerissen.
Im Rahmen eines 1995 durch die Landeshauptstadt Dresden ausgelobten Gestaltungs-wettbewerbs für eine Gedenkstätte für die Sophienkirche wurde der Entwurf des Dresdner Architekturbüros Gustavs & Lungwitz zum Siegerentwurf gekürt und bildet seit Gründung der Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden e. V. im Jahr 1998 die Grundlage für konkrete Pläne zur Errichtung einer Gedenkstätte auf dem Grundstück der ehemaligen Busmannkapelle.

Als weitere Voraussetzung für die Gedenkstätte hat die Stadt auf Grundlage des Stadtratsbeschlusses - Nr. V1012-29-2001 vom 23. Mai 2001 in der Folge dann den wesentlichen Teil der Grundstücksfläche erworben, auf der die ehemalige Busmann-kapelle gestanden hatte. Diese Grabkapelle befand sich am Südchor der Kirche und wurde Ende des 14. Jahrhunderts im Auftrag der Familie Busmann, eines der bedeutenden Rats-geschlechter des 14. und 15. Jahrhunderts, errichtet und diente zunächst als Begräbnisstelle für die männlichen Mitglieder der Familie und später als ein dem Gottesdienst ge-widmeter Raum mit Altar.

Nachdem die oben genannte Gesellschaft zur Förderung einer Gedenkstätte für die Sophienkirche Dresden e. V. den größten Teil der erforderlichen Eigenmittel eingeworben hat und gemeinsam mit der Bürgerstiftung in Verhandlungen mit der Stadtverwaltung über die künftige Betreibung der Gedenkstätte getreten ist, sollte die Stadt nunmehr die endgültige politische Entscheidung zur Errichtung der Busmannkapelle als Gedenkstätte treffen.