Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Antrag

Gegenstand: Freilegung und Wiedernutzbarmachung der historischen Treidelpfade

Beschlussvorschlag:

  1. Oberbürgermeister wird beauftragt, zum Zwecke der Schaffung eines zusätzlichen rechtselbischen Fuß- und Radweges bis April 2008 die Freilegung und Wiedernutzbarmachung des historischen Treidelpfades im Abschnitt zwischen Albertbrücke und Loschwitzer Elbbrücke (Blaues Wunder) zu veranlassen.
    Stadtrat ist bis April 2008 ein Konzept und ein Zeitplan für die schrittweise Erschließung sämtlicher auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Dresden noch erhaltenen Abschnitte der historischen Treidelpfade zur Beschlussfassung vorzulegen.
     
  2. Die Vorbereitung (Freilegung, Beschilderung) und Freigabe historischer Treidelpfade zur Nutzung für die Allgemeinheit soll dabei in den Abschnitten, in denen im Zuge von Maßnahmen zum Hochwasserschutz ohnehin eine Freilegung vorgesehen ist, koordiniert erfolgen, so dass für diese Abschnitte keine zusätzlichen finanziellen Aufwendungen für die Landeshauptstadt Dresden entstehen.
    Für alle anderen Abschnitte der Treidelpfade soll die finanzielle Einordnung und Realisierung nach Maßgabe des vorzulegenden und zu beschließenden Konzeptes erfolgen.

 

Begründung

Der Elbrad- und Gehweg ist insbesondere an Sonn- und Feiertagen ein beliebtes Ausflugsziel für Fußgänger, Inline-Skater und Radfahrer. Darüber hinaus stellt er eine reguläre und wichtige Verkehrsverbindung für den Radverkehr in Dresden dar.
Diese hohe Akzeptanz führt jedoch mittlerweile dazu, dass die Situation auf ausgewählten Streckenabschnitten und zu bestimmten Tageszeiten unhaltbar geworden und die Gefahr von Unfällen dramatisch gestiegen ist. Insbesondere kleinere Kinder und ältere Passanten sind hier gefährdet. Teilweise stehen Bänke auf oder unmittelbar am Radweg und sorgen für zusätzliches Gefahrenpotential. Abhilfe soll hier eine nach dem derzeitigen Stand der Planungen für das III. Quartal 2007 geplante Erweiterung des linksseitigen Elbrad- und Gehweges zwischen Loschwitzer Brücke und Albertbrücke schaffen.

Für den rechtselbischen Bereich sind zurzeit keine Planungen einer zusätzlichen Entlastungstrasse bekannt. Im Zuge von Maßnahmen zur Hochwasserschadensbeseitigung (sogenannter Abgrabungen im Elbvorland) wurde hier in den vergangenen Monaten jedoch zwischen Albert- und Marienbrücke ein großer Abschnitt des historischen Treidelpfades freigelegt. Die im Antrag geforderte Freilegung und Wiedernutzbarmachung des Treidelpfades im unmittelbar daran angrenzenden Abschnitt zwischen Albertbrücke und Blauem Wunder würde im Ergebnis dazu führen, dass künftig auch rechtselbisch von der Marienbrücke bis zur Loschwitzer Brücke ein zusätzlicher Uferweg vorzugsweise für Fußgänger zur Verfügung stände.

Neben dem Freizeit- und Erholungswert wären die kulturhistorisch bedeutsamen Treidelpfade auch für die touristische Vermarktung geeignet. Bis zur Einführung von Kettendampfschiffen in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der stromaufwärtige Lastentransport auf der Elbe durch so genannte Schiffszieher oder Treidler. In Sachsen nannte man die Treidler auch „Bomätscher“ oder, unter Bezug auf den slawischen Ursprung des Wortes pomoc (=helfen), „Pomätscher“. In Gruppen von bis zu 20 Männern zogen die Treidler Schiffe meist auf der linkselbischen Seite stromaufwärts und nutzten dabei die Treidel- bzw. Leinpfade. Entsprechende Hinweistafeln könnten den historischen Ursprung und die Bedeutung der Pfade vermitteln.

Auf dem Gebiet der Landeshauptstadt Dresden sind diese Pfade gepflastert und teilweise noch gut erhalten, aufgrund mangelnder Pflege und Ablagerungen im Zuge des alljährlichen Frühjahrshochwassers allerdings in weiten Abschnitten mit einer üppigen Vegetationsdecke sowie Schwemmsand überzogen. In den letzten Jahren gab es bereits zahlreiche Initiativen, die Pfade wieder freizulegen. Dafür kamen zum Teil ABM-Kräfte zum Einsatz.

Entsprechende Hochwasserschutzmaßnahmen wie im Bereich zwischen Albert- und Marienbrücke sind zeitgleich auch im Abschnitt zwischen Pillnitz und Niederpoyritz durchgeführt worden und stehen dort unmittelbar vor dem Abschluss, sodass auch hier eine Freilegung des Treidelpfades erfolgt ist. Zwar dienen diese Abgrabungen im Elbevorland vorrangig der Verbesserung der Abflussverhältnisse bei Hochwasser; eine regelmäßige Nutzung dürfte diesen Zweck jedoch weitgehend unterstützen, weil dadurch die ständige Neubildung einer Vegetationsdecke behindert wird.
Soweit die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes als maßgebliche Eigentümerin der ufernahen Flurstücke keine Einwände dagegen hat und dem auch keine sonstigen wasser- und naturschutzrechtlichen Gründe entgegenstehen, wäre die künftige Nutzung der Treidelpfade insoweit eine kostengünstige Lösung, da die für derartige Hochwasserschutzmaßnahmen anfallenden Kosten in voller Höhe durch den Freistaat Sachsen übernommen werden. Lediglich eine entsprechende Beschilderung und Information durch die Stadt wäre hier dann noch erforderlich.

Für alle anderen erhaltenen, aber noch nicht freigelegten Abschnitte der Treidelpfade soll auf Grundlage des vorliegenden Antrages ein Konzept zur abschnittsweisen Freilegung und Wiedernutzbarmachung vorgelegt werden.