Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Rudolf Harbig nicht vergessen – Ehrung eines bedeutenden Dresdner Sportlers
(eingereicht am 02.12.2011)

Beschlussvorschlag:

Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt zu prüfen, ob zu Ehren des 100. Geburtstages von Rudolf Harbig im Jahr 2013 eine der Schulen der Landeshauptstadt Dresden mit sportlichem Profil den Beinamen Rudolf Harbig erhalten kann. Des Weiteren ist zu prüfen, ob eine Stra-ßenbenennung nach Rudolf Harbig möglich ist; vorzugsweise im Rahmen der aktuellen Um-benennungen mehrfach vergebener Straßennamen und möglichst im Ortsamtsbereich Pieschen.
 

Begründung:

Viele Straßen, Plätze, Stadien oder Sportplätze in Deutschland sind nach Rudolf Harbig be-nannt. Dagegen ist er in seiner Geburts- und Heimatstadt Dresden aus dem Straßenbild ver-schwunden, seitdem das Rudolf-Harbig-Stadion im Jahr 2010 nach dem Sponsor in Glücks-gas-Stadion umbenannt wurde. Da Rudolf Harbig ein außergewöhnliches Sporttalent war, die meiste Zeit seines Lebens mit Dresden verbunden war, sein Leben als junger Mann im Zweiten Weltkrieg verlor und er außerdem bereits über mehrere Jahrzehnte Namensgeber des Dresdner Stadions gewesen ist, ist es nur folgerichtig, dass er jetzt an anderer Stelle im Stadtbild Dresdens eine Ehrung erfahren sollte.

Dazu bietet sich die Benennung einer der Dresdner Schulen mit sportfachlichem Profil nach Rudolf Harbig an. Beispielsweise liegt in unmittelbarer Nähe des Glücksgas-Stadions die 10. Grundschule mit sportlichem Profil, die den Leistungssport unter anderem in den Bereichen Leichtathletik und Fußball fördert. Ab Februar 2012 ist für 6 Monate die Sanierung der Grundschule geplant, sodass die Schule ab dem neuen Schuljahr 2012/13 wieder regulär genutzt werden kann. Aber auch das Sport-Gymnasium oder die Sport-Mittelschule im Ostragehege würden sich anbieten, da Rudolf Harbig auf dem Sportplatz im Ostragehege regelmäßig trainiert und junge Sportler unterrichtet hat. Im Jahr 2013 jährt sich der 100. Ge-burtstag von Rudolf Harbig, genauer gesagt am 8. November. Dieser Termin bietet sich zur feierlichen Namensweihe einer der Sportschulen an.

Da die Stadt Dresden zurzeit viele Straßen umbenennen möchte, die doppelt, drei- oder so-gar vierfach vergeben sind, bietet es sich weiterhin an, eine Straße nach Rudolf Harbig zu benennen. Da Rudolf Harbig in Trachau lebte, wäre es sachgerecht, in enger Abstimmung mit dem Ortsbeirat Pieschen eine Straße in diesem Ortsamtsbereich auszuwählen.

Rudolf Harbig ist eine wichtige Persönlichkeit Dresdens, steht exemplarisch für viele erfolg-reiche Sportler Dresdens und sollte daher nicht in Vergessenheit geraten.


Zur Person:

Rudolf Harbig wurde am 8. November 1913 in Dresden-Trachau geboren und lebte bis zu seiner Einberufung in die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg beinahe ununterbrochen im Stadtteil Wilder Mann an der Großenhainer Straße. Lange Zeit kannte niemand sein Laufta-lent, eher zufällig wurde er beim „Tag des unbekannten Sportsmanns“ in Dresden entdeckt und begann erst im Jahr 1934 im Alter von 21 Jahren mit dem Lauftraining. Fortan startete er für den Dresdner SC. 1936 gewann er erstmals die Deutsche Meisterschaft über 800 m. Bei den Olympischen Sommerspielen holte er in der Staffel über 400 m die Bronzemedaille.

Drei Jahre später am 9. Juli 1939 holte er sich den ersten Rekord. Im 800-Meter-Lauf ver-besserte er den deutschen Rekord auf 1:49,4 Minute. Eine Woche später knackte er den Weltrekord und rannte eine damals fantastische Zeit von 1:46,6 Minute. Diese Zeit war so fabelhaft, dass die Nachrichtenagenturen sie sicherheitshalber in Buchstaben verbreiteten: Eins-sechs-und-vierzig-sechs. Weder davor noch danach wurde dieser Rekord so deutlich gebrochen und bis 1955 sollte dieser Rekord Bestand haben. Rudolf Harbig erzielte zwei weitere Weltrekorde über 400 m und 1000 m. Den 1000-Meter-Weltrekord lief er am 24. Mai 1941 auf der Ilgen-Kampfbahn, dem Standort des späteren Rudolf-Harbig- bzw. Dynamo-Stadions und heutigen Glücksgas-Stadions. Bis heute ist er der einzige Athlet, der diese drei Rekorde gleichzeitig inne hatte. Zweimal gewann er den Europameistertitel. Insgesamt 18 deutsche Rekorde schaffte er über 400 m, 500 m, 800 m und 1000 m und bei Staffelläufen über 4x400 m und 4x800 m. Rudolf Harbig war einer der erfolgreichsten Mittelstreckenläufer, den die deutsche Leichtathletik hervorgebracht hat. Über mehrere Jahrzehnte trug deshalb das Glücksgas-Stadion in Dresden den Namen Rudolf-Harbig-Stadion.

Parallel zu seinen sportlichen Erfolgen war Rudolf Harbig immer bemüht, eine reguläre An-stellung zu finden. In Dresden absolvierte er eine Tischlerausbildung, übte aber zeitweilig die Beschäftigung eines Gasablesers für die DREWAG aus. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise gelang es ihm nicht, eine dauerhafte Anstellung zu finden. Aus diesem Grund meldete er sich Ende 1932 für drei Jahre bei der Reichsarmee als Berufssoldat, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Später betätigte er sich auch als Konditions- und Lauftrainer im Dresdner Sport-Club und gab sein Wissen und seine Erfahrungen aus den Rennen an jugendliche Sportler weiter. Von 1935 bis 1940 war er unter seinen Altersgenossen und der Jugend eine treibende Kraft im Sportverein. Auch in Braunschweig, wo er von 1941 bis 1942 als Soldat weilte, trainierte er junge Sportler. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erhielt Rudolf Harbig seinen Gestellungsbefehl und musste sich bei der Wehrmacht melden. Für ihn war nun der Traum, bei den Olympischen Spielen in Helsinki 1940 seine sportliche Laufbahn zu krönen, vorbei. Noch konnte er zwar an einigen Wettkämpfen teilnehmen, die Olympischen Spiele aber wurden abgesagt. Nach seiner Einberufung in eine Fallschirmjäger-Kompanie wurde er 1942 an die ukrainische Front versetzt. Dort starb er im Gefecht im Alter von 31 Jahren am 5. März 1944 in der Nähe von Olchowez bei Bogusslaw. Leider gibt es bis heute keine exak-ten Daten zu seinem Grab.