Dresden
Rückblick : Neumarkt
Debatte um Wiederaufbau des Gewandhauses: Keine Experimente am Neumarkt
Neumarkt

(Dresden/09.04.2008) Im Mai 2006 wurde der Beschluss zur Wiedererrichtung des ehemaligen Gewandhauses am Neumarkt unmittelbar gegenüber der Frauenkirche gefasst. Zu diesem Zweck wurde ein „begrenzt offener, anonymer Realisierungswettbewerb“ durchgeführt. Seit Veröffentlichung der Wettbewerbsergebnisse ist über die „Wiedererrichtung“ des im Siebenjährigen Krieg beschädigten und im Jahre 1791 abgebrochenen Gewandhauses ein heftiger Streit entbrannt. Dabei stehen nicht nur die Wettbewerbsergebnisse in der Kritik, sondern auch die grundsätzliche Frage einer Bebauung der Fläche des ehemaligen Gewandhauses wird kontrovers diskutiert.
Während teilweise die Ansicht vertreten wird, das Gewandhaus sei lediglich aus finanziellen Gründen nicht wieder aufgebaut worden, gibt es glaubwürdige Belege dafür, dass ein Wiederaufbau vor allem aus stadtplanerischen Gründen verworfen wurde, weil das Gewandhaus den Neumarkt in seiner räumlichen Wirkung zu stark eingeschränkt hatte. Kunsthistoriker äußerten sogar den Verdacht, dass das Gebäude bereits Canaletto gestört haben müsse. So sei erklärbar, warum er die räumlichen Beziehungen auf der dem Gewandhaus zugewandten Seite des Platzes auf seinen Bildern künstlich vergrößerte, indem er das Gewandhaus einfach weiter nach Süden rückte.
Ungeachtet dieser Diskussion plant die Stadtverwaltung eine Umsetzung des vom Preisgericht im Rahmen des Realisierungswettbewerbs gekürten Siegerentwurfs. Dieser sieht die Bebauung mit einem futuristisch anmutenden Quader aus Glas und Sandstein vor. Darin sollen Restaurants, Cafes, Läden und über drei Etagen Galerien für moderne Kunst untergebracht werden.

„Die geplante Bebauung ist eine einzige Provokation. Dresden ist zwar eine moderne Stadt, aber der historische Neumarkt mit der Frauenkirche sind kein Experimentierfeld für moderne Architektur. Die Bausünden im historischen Stadtzentrum sollten uns eine schmerzhafte Lehre sein.“, so FDP-Fraktionschef Jan Mücke zu den vorgestellten Wettbewerbsergebnissen.
Der FDP-Antrag geht aber noch einen Schritt weiter. „Es geht nicht nur darum, die Umsetzung der Wettbewerbsergebnisse zu verhindern. Nach dem heilsamen Wettbewerbsschock müssen wir die Wiederbebauung dieser Fläche grundsätzlich in Frage stellen; noch ist es dafür nicht zu spät.“ Genau dies sieht der FDP-Antrag vor. Momentan zeichnet sich eine Kompromisslinie ab, die ein zehnjähriges Bebauungsmoratorium vorsieht. Als „Interimslösung“ für die Dauer des Moratoriums sollen die Vorstellungen der Gesellschaft Historischer Neumarkt realisiert werden.  „Das wäre ein guter Kompromiss. In zehn Jahren wird niemand mehr auf die Idee kommen, diese sensible Fläche gegenüber der Frau-enkirche zu bebauen und die dann hoffentlich realisierte historische Fassade mit dem wertvollen Elimeyerschen Ladeneinbau nach Entwürfen Gottfried Sempers wieder zu zerstören.“, ist sich Mücke sicher.
 

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Ratsdepesche Ausgabe 22

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