Dresden
Rückblick :
Einweihung des Rudolf-Harbig-Weges

Rund 14 Monate nach dem Beschluss des FDP-Antrages zur Ehrung von Rudolf Harbig in Dresden wurde nun am 8.November 2013 zu seinem 100. Geburtstag ein Weg am Sportgelände im Ostragehege nach dem Dresdner Ausnahmesportler benannt. Der Initiator FDP-Stadtrat Jens Genschmar war gemeinsam mit Ulrike Harbig, der Tochter von Rudolf Harbig, zur Einweihung vor Ort. Genschmar, der auch Betreiber des Dresdner Fußballmuseums ist, freut sich besonders, dass die Ehrung noch rechtzeitig zum Jubiläum vorgenommen wurde. „Mit dem Verschwinden des Stadionnamens war Rudolf Harbig aus dem Dresdner Stadtbild verschwunden. Mit der Namensgebung für diesen Weg direkt am Steyer Stadion in dem er trainiert hat, ist einer der wichtigsten Dresdner Sportler wieder im Dresdner Stadtbild vertreten.“, so Genschmar.

Zur Person:
Rudolf Harbig wurde am 8. November 1913 in Dresden-Trachau geboren und lebte bis zu seiner Einberufung in die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg beinahe ununterbrochen im Stadtteil Wilder Mann an der Großenhainer Straße. Lange Zeit kannte niemand sein Lauftalent, eher zufällig wurde er beim „Tag des unbekannten Sportsmanns“ in Dresden entdeckt und begann erst im Jahr 1934 im Alter von 21 Jahren mit dem Lauftraining. Fortan startete er für den Dresdner SC. 1936 gewann er erstmals die Deutsche Meisterschaft über 800 m. Bei den Olympischen Sommerspielen holte er in der Staffel über 400 m die Bronzemedaille.

Drei Jahre später am 9. Juli 1939 holte er sich den ersten Rekord. Im 800-Meter-Lauf verbesserte er den deutschen Rekord auf 1:49,4 Minute. Eine Woche später knackte er den Weltrekord und rannte eine damals fantastische Zeit von 1:46,6 Minute. Diese Zeit war so fabelhaft, dass die Nachrichtenagenturen sie sicherheitshalber in Buchstaben verbreiteten: Eins-sechs-und-vierzig-sechs. Weder davor noch danach wurde dieser Rekord so deutlich gebrochen und bis 1955 sollte dieser Rekord Bestand haben. Rudolf Harbig erzielte zwei weitere Weltrekorde über 400 m und 1000 m. Den 1000-Meter-Weltrekord lief er am 24. Mai 1941 auf der Ilgen-Kampfbahn, dem Standort des späteren Rudolf-Harbig- bzw. DynamoStadions und heutigen Glücksgas-Stadions. Bis heute ist er der einzige Athlet, der diese drei Rekorde gleichzeitig inne hatte. Zweimal gewann er den Europameistertitel. Insgesamt 18 deutsche Rekorde schaffte er über 400 m, 500 m, 800 m und 1000 m und bei Staffelläufen über 4x400 m und 4x800 m. Rudolf Harbig war einer der erfolgreichsten Mittelstreckenläufer, den die deutsche Leichtathletik hervorgebracht hat. Über mehrere Jahrzehnte trug deshalb das Glücksgas-Stadion in Dresden den Namen Rudolf-Harbig-Stadion.

Parallel zu seinen sportlichen Erfolgen war Rudolf Harbig immer bemüht, eine reguläre Anstellung zu finden. In Dresden absolvierte er eine Tischlerausbildung, übte aber zeitweilig die Beschäftigung eines Gasablesers für die DREWAG aus. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise gelang es ihm nicht, eine dauerhafte Anstellung zu finden. Aus diesem Grund meldete er sich Ende 1932 für drei Jahre bei der Reichsarmee als Berufssoldat, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Später betätigte er sich auch als Konditions- und Lauftrainer im Dresdner Sport-Club und gab sein Wissen und seine Erfahrungen aus den Rennen an jugendliche Sportler weiter. Von 1935 bis 1940 war er unter seinen Altersgenossen und der Jugend eine treibende Kraft im Sportverein. Auch in Braunschweig, wo er von 1941 bis 1942 als Soldat weilte, trainierte er junge Sportler. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erhielt Rudolf Harbig seinen Gestellungsbefehl und musste sich bei der Wehrmacht melden. Für ihn war nun der Traum, bei den Olympischen Spielen in Helsinki 1940 seine sportliche Laufbahn zu krönen, vorbei. Noch konnte er zwar an einigen Wettkämpfen teilnehmen, die Olympischen Spiele aber wurden abgesagt. Nach seiner Einberufung in eine Fallschirmjäger-Kompanie wurde er 1942 an die ukrainische Front versetzt. Dort starb er im Gefecht im Alter von 31 Jahren am 5. März 1944 in der Nähe von Olchowez bei Bogusslaw. Leider gibt es bis heute keine exakten Daten zu seinem Grab.

Termine
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Ratsdepesche Ausgabe 22

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