Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Antrag

Gegenstand: Wiederaufbau des historischen „Belvedere“ auf der Brühlschen Terrasse

Beschlussvorschlag:

Der Stadtrat beschließt:

  1. Der Beschluss-Nr.: V1965-SB-02 vom 15. Mai 2002 wird hiermit aufgehoben.
     
  2. Die künftige Bebauung des Areals hat abweichend von den bisherigen Plänen nicht auf Grundlage eines offenen Architektenwettbewerbes, sondern ausschließlich in historischer Form nach dem Vorbild des im 2. Weltkrieg zerstörten so genannten 4. Belvedere zu erfolgen. Im Gegenzug muss die künftige Nutzung des Gebäudes nicht auf eine ausschließlich gastronomische Nutzung beschränkt bleiben, sofern der öffentliche Charakter des Gebäudes gewahrt bleibt und die Nutzung mit dem historischen Wiederaufbau vereinbar ist.
     
  3. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, den Freistaat umgehend über diese Änderung der städtischen Beschlusslage in Kenntnis zu setzen, gegen die vom Sächsischen Finanzministerium bekannt gegebene vorläufige Nichtbebauung des Grundstückes zu protestieren und auf eine zeitnahe Vermarktung und Bebauung zu drängen. Dabei ist dem Freistaat auch die Unterstützung bei der Vermarktung seitens der Stadt mit anzubieten.
     
  4. Soweit künftige Bauvorhaben des Freistaates die Planungshoheit der Stadt betreffen, sind Gespräche und Verhandlungen darüber, sowie Zusagen oder Kompromisse auch vom weiteren Engagement bei der Vermarktung und Wiederbebauung des Grundstückes des „Belvedere“ mit abhängig zu machen.

 

Begründung

Auf der östlichen Bastion der ehemaligen Festungsanlage von Dresden standen seit 1589 unter dem Namen „Belvedere“ vier verschiedene Bauten. Seitdem das letzte Belvedere, ein Restaurant und Konzerthaus von Hofbaumeister Otto von Wolframsdorf, am 13. Februar 1945 zerstört wurde, ist die Brühlsche Terrasse an dieser Stelle unbebaut. Eigentümer des unbebauten Grundstückes ist der Freistaat Sachsen.

Der am 15. Mai 2002 vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau gefasste Beschluss-Nr.: V1965-SB-2002 trug dem damaligen Ansinnen des Freistaates Rechnung, am früheren Standort des Belvedere eine Wiederbebauung des Grundstücks auf Grundlage eines offenen Architektenwettbewerbes für ein Gebäude mit gastronomischer Nutzung zu realisieren. Im Rahmen dieses Beschlusses wurden seinerzeit auch die Grundsätze für einen derartigen Wettbewerb gebilligt.  Insbesondere die Punkte 2 und 3, wonach kein „möglicher Nachfolger der Belvedere-Bauten ... keinen seiner Vorgänger kopieren“ soll, könnten dazu führen, dass die Jury einen Preisträger kürt, der, ähnlich wie im Fall der Vorschläge zur Wiederbebauung des Gewandhausgrundstücks am Neumarkt, von den Dresdnerinnen und Dresdnern abgelehnt wird.

Nach öffentlichen Verlautbarungen des Sächsischen Staatsministeriums für Finanzen soll der Freistaat Sachsen das Projekt einer Wiederbebauung vorerst aufgegeben haben. Die Stadt sollte diese jüngste Entwicklung zunächst nutzen und die aktuelle Beschlusslage insoweit korrigieren, dass jede künftige Bebauung des Belvedere-Grundstücks ausschließlich in historischer Form nach dem Vorbild des 1945 zerstörten 4. Belvedere erfolgen darf. An dieser exponierten und sensiblen Stelle darf es, ähnlich wie am Neumarkt, keine weiteren Experimente mit moderner Architektur geben!

Ungeachtet dessen ist der jetzt einseitig bekannt gegebene Plan des Grundstückseigentümers zur Nichtbebauung nicht nachvollziehbar und stellt einen ernsthaften Eingriff in die Planungshoheit der Landeshauptstadt Dresden dar. Die Nichtbebauung kann keine Option für die Stadt sein, denn erst die Wiedererrichtung des Belvedere ermöglicht auch die Wiederherstellung der historischen Stadtsilhouette. Dresden muss deshalb schon im eigenen Interesse auf eine zügige Bebauung drängen. Als Grundstückseigentümer trägt der Freistaat eine weitaus größere Verantwortung als jeder private Eigentümer. Dieser Verantwortung muss er auch gerecht werden. Dresden sollte sich bei der Durchsetzung seiner Interessen nicht scheuen, mit den wenigen der Stadt zur Verfügung stehenden Mitteln einen maßvollen Druck auf den Freistaat auszuüben. Darüber hinaus sollte die Stadt den Freistaat bei der Vermarktung nach Kräften unterstützen.