Dresden
ANTRÄGE DER FDP-FRAKTION IM DRESDNER STADTRAT

Durchführung des Festjahres zum 200. Geburtstag Richard Wagners 2013
(eingereicht am 07.10.2011)

Beschlussvorschlag:

Der Stadtrat beschließt:

1. Die Oberbürgermeisterin wird beauftragt, anlässlich des 200. Geburtstages von Ri-chard Wagner im Jahr 2013 ein Festjahr zu konzipieren und das Konzept dem Stadt-rat bis zum 30.04.2012 zur Beschlussfassung vorzulegen. Dabei ist insbesondere auch eine Kooperation mit dem Freistaat Sachsen anzustre-ben, mit dem Ziel, die Semperoper und die Sächsische Staatskapelle als bedeutende Dresdner Kultureinrichtungen des Landes in die Planung und Durchführung des Fest-jahres mit einzubinden.

2. Das Konzept soll unter anderem folgende Punkte beinhalten:
- Aufstellung eines Festspielplanes mit Stücken von Richard Wagner und einem geeigneten weiterführenden Rahmenprogramm unter Einbeziehung weiterer Kultureinrichtungen, wie der Gemäldegalerie, sowie der Dresdner Frauenkirche;
- die einheitliche Kennzeichnung bedeutender Wirkungsstätten und Aufenthaltsorte Richard Wagner innerhalb der Stadt und die Herausgabe eines entsprechenden Themenstadtplans;
- ein Konzept für die nationale und internationale touristische Vermarktung unter Fe-derführung der Dresdner Tourismus GmbH;
- ein Konzept zur Einwerbung von Sponsorengeldern zur anteiligen Finanzierung des Festjahres über private Spender und ein Gesamtkonzept zur Finanzierung.

3. Darüber hinaus ist eine Kooperation mit den Städten Leipzig und Bayreuth anzustre-ben, mit dem Ziel der gegenseitigen Abstimmung der jeweiligen Veranstaltungskon-zepte. Dabei ist insbesondere auch die Möglichkeit gemeinsamer Produkte (z. B. Besuch der Bayreuther Festspiele und Städtereise zu den Dresdner Wirkungsstätten Wagners) zu prüfen.
 

Begründung:

Das Jahr 2013 steht im Zeichen des 200. Geburtstages von Richard Wagner, der als junger Musiker in Dresden seinen künstlerischen Durchbruch schaffte. Im Frühjahr 1842 siedelte Richard Wagner von Paris nach Dresden über und blieb bis zu den Maiaufständen 1849 in der Stadt. In dieser Zeit wurden seine Werke „Rienzi“, „Der fliegende Holländer“, „Das Lie-besmahl des Apostel“ und „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ uraufgeführt. Gleichzeitig begann er mit den Arbeiten an „Siegfried“, „Lohengrin“, „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Jesus von Nazareth“. Richard Wagner wurde 1843 nicht nur Kapellmeister an der Dresdner Hofoper, sondern er diskutierte auch intensiv mit Gottfried Semper über die passende Akustik eines Opernhauses, der diese Anregungen wiederum in die Architektur der späteren Semperoper einfließen ließ.

Die sieben Jahre in Dresden waren nicht seine ersten Berührungspunkte mit der Stadt. Be-reits 1814 kam er mit seiner Familie nach Dresden, wo er schließlich seine Kindheit und Ju-gend verbrachte. Ab dem Jahr 1822 ging er auf die Kreuzschule Dresdens und als seine Familie nach Prag übersiedelte, blieb er weiterhin in Dresden bei der Familie von Dr. Böhme. Gerade hier in Dresden lernte er das Theaterleben der Stadt kennen und wirkte selbst als Statist noch in einigen Aufführungen mit.

Richard Wagner zählt heute zu den bedeutendsten und bekanntesten Musikern seiner Zeit. Weltweit wird seine Musik verehrt und jährlich kommen rund 58.000 Gäste aus der gesamten Welt zu den Bayreuther Festspielen, die durch ihn initiiert und im Jahr 1876 unter seiner Lei-tung erstmals durchgeführt wurden. Der 200. Geburtstag bietet sich an, um Richard Wagner auch in Dresden im Rahmen eines Festjahres zu ehren. Denn aufgrund seines mehrjährigen Aufenthaltes in Dresden zählt die Stadt ebenfalls zu den Erinnerungsorten der Wagner-Pflege. Nicht nur Heinrich Schütz oder Carl Maria von Weber, sondern auch Richard Wagner trug zum Ruf Dresdens als Musikstadt bei. Genau wie Leipzig sollte Dresden deshalb alles tun, um stärker als bisher als Wagner-Stadt öffentlich wahrgenommen zu werden.

Im Festjahr bieten sich Aufführungen von Wagners Kompositionen in der Semperoper und der Dresdner Philharmonie an. Die Sächsische Staatskapelle Dresdens könnte zudem auch in der Frauenkirche auftreten, wo 1843 „Das Liebesmahl des Apostels“ uraufgeführt wurde. Gerade eine solche Aufführung in der wieder aufgebauten Frauenkirche könnte für viele Wagner-Anhänger ein ganz besonderes Erlebnis werden.

Mit seiner weltbekannten Oper, der hervorragenden Staatskapelle und der Dresdner Philharmonie haben die Stadt und der Freistaat ein enormes künstlerisches Potential, um ein Wagner-Festjahr durchzuführen. Mit Christian Thielemann hat die Staatskapelle ab 2012 zudem einen anerkannten Wagner-Interpreten als Dirigenten, der auch ein Stück für die Bayreuther Festspiele inszenieren wird. Eine Möglichkeit wäre es dabei, die Ressourcen mit Leipzig und Bayreuth zu bündeln, sodass Wagner-Stücke in allen drei Städten inszeniert und aufgeführt werden können.

Damit Dresden das Richard-Wagner-Festjahr zelebrieren kann, ist eine Abstimmung mit dem Freistaat zwingend notwendig, mit dem Ziel einen gemeinsamen Festspielkalender für Dres-den zu entwerfen, der die Potentiale der kulturellen Einrichtungen der Stadt und des Freistaates bündelt.

Mit dem Richard-Wagner-Festjahr würde sich der Stadt Dresden zudem auch die Chance bieten, Wagner-Touristen für die Stadt zu interessieren und als Gäste zu gewinnen. Dieser Touristengruppe könnte Dresden als Wagner-Stadt, beispielsweise mit einem speziellen Touristenführer über Richard Wagners Wirkungsstätten und Hinweisen auf Angebote für Themenstadtführungen, nahe gebracht werden. Auch das Stadtmuseum könnte sich mit einer thematischen Ausstellung über Richard Wagner am Festjahr beteiligen. Das Rahmenprogramm scheint durchaus wichtig zu sein, um genau die Zielgruppe der Anhänger Richard Wagners im Besonderen anzusprechen.

Um die Anhänger Richard Wagners nach Dresden zu holen ist ferner die nationale und inter-nationale Bewerbung durch die Dresdner Tourismus GmbH mit besonderen Angeboten wichtig. Hier bietet sich ebenfalls eine Kooperation an, um gemeinsam mit Leipzig und Bayreuth die Zielgruppe anzusprechen. Gerade zu den Bayreuther Festspielen melden sich inzwi-schen 10mal mehr Besucher aus dem In- und Ausland an, als es überhaupt Karten für die Festspiele gibt. Im Wagner-Jahr 2013 dürfte diese Anzahl noch einmal steigen, sodass sich alternative Angebote in der sächsischen Heimat Richard Wagners in jedem Falle lohnen dürften.

Durch eine entsprechende touristische Vermarktung würden die von der Stadt in das Richard-Wagner-Festjahr investierten Gelder durch die Einnahmen aus dem Tourismus direkt oder indirekt wieder an die Stadt zurück fließen. Es ist ferner davon auszugehen, dass sich das Richard-Wagner-Festjahr auch positiv auf das lokale Gastgewerbe auswirken würde. Darüber hinaus dürfte Dresden vielen Wagner-Anhängern aufgrund seiner wunderschönen historischen Innenstadt im Gedächtnis hängen bleiben.